Richtlinien – Guidelines

Allgemeine Richtlinien für ein Erhaltungszuchtprojekt des ÖVVÖ

  1. Das Ziel ist es, alle bekannten Tiere (wissenschaftlich valide Arten aber auch neue "Arten") einer Population/Art in dem Zuchtbuch zu erfassen und deren Verbleib und Entwicklung zu dokumentieren. Ein lückenloses Rückverfolgen der Herkunft der Tiere soll dadurch erzielt werden, und die Möglichkeit geschaffen werden, auf Probleme rechtzeitig reagieren zu können. Generell gilt für neu gewonnene Züchter, dass sie nur Tiere bekommen, wenn sie an dem Erhaltungszuchtprojekt teilnehmen. Für jedes Projekt wird ein Zuchtbuch erstellt. Der Projektleiter und sein Stellvertreter werden zum Beginn des Projektes vom ÖVVÖ Präsidium ernannt.
  2. Der Projektleiter und sein Stellvertreter führen das Zuchtbuch über die Anzahl der Fische, über die Anzahl der Züchter und deren Bestände und betreffend der Population über die "Wege" der Fische. Dieses Zuchtbuch ist für alle Mitglieder offen einsehbar.
  3. Das Ziel muss bleiben, möglichst alle Bestände der Art im Sinne deren Erhaltung zu erfassen, daher ist es notwendig, auf die Wichtigkeit eines Verbleibs innerhalb der Zuchtgruppe aufmerksam zu machen und auf eine sorgfältige Auswahl weiterer Züchter zu achten. Bezüglich der Anwärter auf Fische einer Population wird eine Interessentenliste geführt, die allerdings nicht zwingend die Reihenfolge der Abgaben widerspiegelt, da es unter Umständen aus räumlichen oder anderen Gründen sinnvoller erscheinen mag, einen anderen Interessenten vorzuziehen. Transparenz ist dabei neben einem objektiven Abschätzen der Dringlichkeit jedoch oberstes Gebot.
  4. Alle Populationen werden getrennt gehalten und gezogen um eine möglichst große genetische Vielfalt aufrecht zu erhalten und um Kreuzungen innerhalb der Arten zu vermeiden. Als Abkürzungen der Populationen fungieren die Bezeichnungen laut ESU (Evolutionarily Significant Unit), kombiniert mit der Abkürzung der Herkunft.
  5. Es sollten -  wenn möglich - 2 oder mehr Züchter geografisch benachbart sein (im Umkreis von 1.000km), um sich im Ernstfall leichter mit Tieren aushelfen zu können. Bei der Wahl oder Akzeptanz neuer Züchter ist darauf Rücksicht zu nehmen, allerdings sind die Fähigkeiten der einzelnen Züchter stärker ausschlaggebend. Im Zweifel ist einem erfahrenen Züchter der Vorzug zu geben.
  6. Es sollen Privatpersonen sowie Institutionen in die Zuchtbuchgruppe integriert werden. Diese werden als gleichgestellte Einheiten betrachtet, sprich eine Person entspricht einer Institution. Von jeder Institution muss aber eine Ansprechperson bekannt sein. Dem Züchter bzw. der Institution wird ein Kürzel zugeordnet und dieses der Bezeichnung der Population/Art nach einem Schrägstrich hinten anhängt. Jedem steht es frei, dieser Art mehr als ein Aquarium zu widmen.
  7. Zu den Lebensräumen, den klimatischen Bedingungen und sonstigen Parametern der Heimat dieser Art soll so viel Wissen wie möglich zusammen getragen und den Mitgliedern der Zuchtgruppe zugänglich gemacht werden. Ziel muss es sein, seine Tiere so naturgemäß wie möglich zu halten.
  8. Zumindest einmal im Jahr, aber auf jedem Fall zum Jahreswechsel, soll der Gesamtbestand erfasst werden. Es werden 3 Kategorien angelegt. Erfasst werden fortpflanzungsfähige Männchen und Weibchen als getrennte Einheiten. Der Rest soll unter "Jungfische" zusammengefasst werden, auch wenn das Geschlecht bereits ersichtlich ist. Soweit wie möglich soll die richtige Anzahl erfasst, also gezählt  werden. Schätzungen sollten so genau wie möglich erfolgen. Zusätzlich wird ein jährlicher Bericht auf der Homepage des ÖVVÖ gestellt, zwischenzeitliche Zuchterfolge im Projekt werden vom jeweiligen Züchter dokumentiert in lockerer Reihenfolge ebenfalls auf der Homepage des ÖVVÖ veröffentlicht.
  9. Die Abgabe der Tiere an weitere Züchter ist geregelt und darf nur nach vorheriger Rücksprache mit dem Projektleiter oder dessen Stellvertreter erfolgen. Dabei soll eine genügend große Anzahl an Tieren abgegeben werden, damit die Gründerpopulation durch eventuelle Ausfälle nicht zu gefährdet ist und dadurch eventuell wichtiges Zuchtmaterial verloren geht. Eine Abgabe unter 6 oder 8 Tieren ist daher unerwünscht, kann aber in Ausnahmefällen nach Rücksprache mit dem Koordinator oder dessen Stellvertreter abgeändert werden. Dabei ist der eigene Bestand im Auge zu behalten, sodass eine Abgabe von Tieren diesen nicht zum Zusammenbruch der Gruppe bringt. Auch das Geschlechterverhältnis ist dabei im Auge zu behalten.
  10. Generell soll der Projektleiter oder dessen Stellvertreter immer zuvor kontaktiert werden, wenn:
    1. Neue Züchter mit Tieren versorgt werden sollen, damit dieser Tipps bezüglich der Herkunft der Tiere geben kann, und wenn möglich auch mitentscheidet, welche Population und Linie wichtig wäre verbreitet zu werden.
    2. Wenn Bestände aufgestockt werden sollen und Tiere aus der ursprünglichen Linie nicht verfügbar sind.
  11. Es soll eine Mailingliste der Zuchtbuchteilnehmer eingerichtet werden um die Kommunikation innerhalb der Gruppe aufrecht zu erhalten und zu fördern. Im internationalen Kontakt ist dabei Englisch zu verwenden. Diverse Treffen im In- und Ausland können zu Fischtransporten benutzt werden.
  12. Der Bestand der Populationen im jeweiligen Projekt soll im ersten Schritt über eine kritische Marke, Erwachsene pro Population gehoben werden. Diese sollte für jedes Projekt eigens festgelegt werden. Danach kann über eine Lockerung der Abgabebestimmungen nachgedacht werden.
  13. Die Tiere sind und bleiben im Besitz der einzelnen Züchter; trotzdem ordnen sich die Züchter freiwillig gewissen Abgabe- und Nachzuchtbestimmungen wie oben genannt zum Wohle der Fische unter. Eine Abgabe von Tieren in den Handel ist nicht zulässig.
  14. Züchter, die nach einiger Zeit den Austritt aus dem Zuchtbuch beschließen und daran partout nicht mehr teilnehmen wollen, sollen zumindest assoziiert bleiben, das heißt der Kontakt soll aufrecht gehalten werden und über den Weg der Bestände soll Buch geführt werden. Sollten diese Züchter Tiere abgeben, sollen die entsprechenden Tiere nur an neue Züchter lt. Reihenfolge /Liste weitergegeben werden dürfen. Hier ist Punkt 7 zu beachten.
  15. Die Laufzeit des Zuchtbuches ist vorläufig auf 2 Jahre begrenzt. Nach dieser Zeit soll der Erfolg des Zuchtbuches beurteilt werden und über eine Verlängerung beraten werden. Bei einem positiven Ergebnis kann dieses bis auf unbestimmte Zeit oder zeitlich begrenzt verlängert werden. Bei einem Scheitern soll über Alternativ-Wege nachgedacht werden.
  16. Für die Erhaltungszuchtprojekte kann, für einen freien Euro Betrag, eine Projektpatenschaft durch Personen oder Institutionen übernommen werden. Diese ist immer zwei Jahre gültig, eine Verlängerung der Projektpatenschaft ist möglich. Der ÖVVÖ und die Projektteilnehmer garantieren, dass die Gelder zweckgebunden für die Projekte zur Anschaffung weiterer Zuchttiere verwendet werden. Der Projektleiter führt ein digitales Kassabuch, das dem jährlichen Report beigefügt wird. Die Projektpaten werden auf der Homepage genannt und bekommen den jährlichen Report per Email zugesandt. Unabhängig der Höhe des Betrages hat kein Projektpate ein Anrecht auf ein Zuchttier irgendeines Erhaltungszuchtprojektes des ÖVVÖ.
  17. Das Zuchtbuch ist nicht als starr zu sehen; Ergänzungen und Erweiterungen können jederzeit von allen Teilnehmern eingebracht werden. Für jedes Zuchtbuch können neben den allgemeinen Richtlinien noch projektspezifische Richtlinien definiert werden.
  18. Es kann auch eine Auflösung des Zuchtbuches vor der Zeit erfolgen, wenn z.B. dessen Notwendigkeit wegen ausreichender Tiere nicht mehr gegeben ist (pro Population mindestens 1.000 erwachsene Fische), die Art erloschen ist oder keine bzw. zu wenige Züchter an dem Projekt mehr teilnehmen. Dazu ist eine 2/3 Mehrheit - falls noch zumindest 2-3 Züchter, je nach Projekt, beteiligt sind - nötig. Andernfalls reicht eine schriftliche Bekanntgabe über die Auflösung.
  19. Eine Abwahl des Projektleiters ist möglich, wenn dieser seine Aufgaben im Sinne der Erhaltung der Art nicht (mehr) wahrnimmt. Dazu müssen zumindest 3 Mitglieder den Antrag schriftlich formulieren und dem Präsidium des ÖVVÖ übermitteln. Bei Abwahl hat der Projektleiter seine kompletten Zuchtbuchunterlagen seinem Nachfolger innerhalb von drei Monaten auszuhändigen. Bei Rücktritt von diesem Amt, bei dem eine schriftliche Erklärung an sämtliche Mitglieder des Erhaltungszuchtprojektes ausreichend ist, hat er seine Geschäfte bis zur Neuwahl eines neuen Projektleiters fortzuführen, längstens aber bis 6 Monate nach Rücktritt. Die Neuwahl erfolgt bei einfacher Mehrheit eines Kandidaten. Dieselbe Regelung gilt für den Stellvertreter. Bei ungültiger Wahl oder wenn kein Kandidat sich zur Wahl stellt, übernimmt der Stellvertreter die Leitung bis ein neuer Kandidat gewählt ist.
  20. Das Endziel soll und muss sein, Populationen in gesicherten und physiologisch wie genetisch gesunden Beständen in Aquarien zu erhalten. Eine Auswilderung soll erst dann angedacht werden, wenn die politischen, gesellschaftspolitischen und klimatischen bzw. umweltrelevanten Faktoren dies erlauben. Bis dahin ist nur Ex-situ Zucht möglich.

 

General guidelines for captive conservation projects of the ÖVVÖ (Austrian Association for Aquatics and Ecology)

  1. The aim is to catalog all known specimens of scientifically valid species but also new "species" and local populations in a studbook and to document their whereabouts and development. That way the origin of the animals is traceable and possible problems can be countered early on. Generally new breeders only receive animals if they participate in a conservation project. For each species/population a separate studbook is created. The project manager and his deputy are appointed by the ÖVVÖ board.
  2. The project manager and his deputy maintain the studbook with the number of fish, the number of breeders, and how the fish are exchanged. This studbook is openly accessible for all members.
  3. The aim must be to register all stocks of the species for their preservation. Therefore it is necessary to draw attention to the importance of long-term participation in the project group and careful selection of additional breeders. A list of prospective new project members is maintained, but it does not necessarily reflect the order of new fish recipients, as it may seem more sensible for location or other reasons to give them to another candidate. However, transparency next to an objective assessment is paramount.
  4. All populations are kept separate to maintain the greatest possible genetic diversity and to avoid hybridizations within species. ESU (Evolutionarily Significant Unit) serve as abbreviations for populations combined with the initials of its origin.
  5. If possible two or more breeders should be geographically close (within 1,000 km) to more easily help out with animals in an emergency. However, the skills of the individual breeder are more decisive in the choice of new project participants. When in doubt, an experienced breeder is given preference.
  6. Individuals and institutions are integrated into the project group as equivalent units, i.e. a person is equal to an institution. For each institution a contact person must be known. The breeder or institution is given a unique symbol and the population/species they maintain is then designated with it after a slash at the end. Everyone is free to devote more than one aquarium per kind.
  7. All habitat, climatic, and other information is collected for a given species and made available to all members of the breeder group. The aim must be to keep the animals as naturally as possible.
  8. At least once at the end of a calendar year, the total specimen inventory is counted. Three categories are created. Reproductive males and females, and juveniles, even if the sex is already visible. As far as possible the actual number is counted. Estimates should be made as accurately as possible. In addition, an annual report is provided for the ÖVVÖ website. Breeding successes of the project are documented by the respective breeder and published on the ÖVVÖ website in loose order.
  9. The release of animals to other breeders is regulated and happens only after consultation with the project manager or his deputy. A sufficiently large number should be passed on so that the new founder population is not endangered by a few losses and possibly important breeding material is being lost. Passing on less than 6 or 8 animals is therefore undesirable, but possible in exceptional cases and after consultation with the project manager or his deputy. The release of animals should not bring about the collapse of the donor group. The gender distribution should be kept in mind.
  10. In general, the project manager or his deputy should be contacted when:
    1. New breeders are to be supplied with animals, so that the project manager can be consulted regarding the origin of the species or population, and which line should be distributed.
    2. If stocks are to be increased and animals from the original line are not available.
  11. A mailing list of studbook participants is set up to facilitate communication within the group. For international contact English is preferred. Various domestic and international meetings are used to exchange fish.
  12. The first step in each project is to increase the population of adults above a critical level. This threshold should be established individually for each project. After reaching the threshold, easing the rules for specimen release can be discussed.
  13. The animals are and remain the possession of the individual breeder; nevertheless the breeders voluntarily follow the above provisions for the benefit of the fish. Selling of animals to the pet trade is not allowed.
  14. Breeders that leave a project and no longer want to participate should remain at least associated, i.e. the contact should be maintained, and the whereabouts of the stocks documented. Should these breeder release animals, the relevant animals are only given to new breeders in the project.
  15. The term of each studbook project is provisionally limited to 2 years. After that time, the success of the project is judged and an extension is discussed. The project may be extended temporarily or indefinitely with a positive result. In case of failure alternative routes should be considered.
  16. Each conservation project may be sponsored by any amount by individuals or institutions. Project sponsorships are always valid for two years and an extension is possible. The ÖVVÖ and project participants guarantee that the funds are earmarked for the acquisition of further breeding stock. The project manager keeps a cashbook, which is attached to the annual report. The project sponsors are mentioned on the website and they receive an annual report by email. Regardless of the sponsorship amount, project sponsor have no rights to animals in any ÖVVÖ breeding project.
  17. The studbook is not meant to be rigid; participants can always make additions and enhancements. For each project specific policies may be defined in addition to the general guidelines.
  18. Project may be prematurely terminated when, for example, sufficient animals (at least 1,000 adult fish per population) exist, the species is extinct, or not enough breeders participate. This requires a 2/3 majority if at least 3 breeders are involved. Otherwise a written notification is sufficient.
  19. A replacement of the project manager is possible if he/she no longer functions in the interest of preservation of a species. At least three project members must formulate the termination request in writing and submit it to the ÖVVÖ board. The deposed project manager shall provide the complete studbook and all documents to his successor within three months. In case of a resignation, a written statement to all members of a project is sufficient. The project manager continues his duties until the election of a new project manager, but no longer than 6 months. The election takes place with a simple majority for a candidate. The same rules apply for the deputy. In case of a failed election or lack of a candidate, the deputy takes over until a new candidate is elected.
  20. The ultimate goal is to maintain populations in physiologically and genetically healthy stocks in captivity. A reintroduction to the wild should only be contemplated when the political, climatic, and environmental factors allow. Until then, only ex situ breeding is possible.